„Pink Is My Favourite Number“
Foto: Ingo Solms

Voll krasse Moves

28. September 2016

Tripletrips untersucht die Queerness des Absurden – Theater am Rhein 10/16

Die „Rinnsteinprinzessin“ von Tim Fischer darf natürlich nicht fehlen. Im Blumenkleidchen lässt Markus Tomczyk den Song sentimentalisch vibrieren, doch wie er dann mit tumber Virtuosität das Bein lasziv über das Geländer in der Studiobühne wirft, wie er mit den Armen divenhaft rudert, das hat zugleich etwas Ironisches. „Pink Is My Favourite Number“ lautet queer-ranschmeißerisch der Titel der neuen Produktion des Duos Tripletrips, der sich angeblich der Absurdität widmet. Mit brustfreiem Body und flagellantischen Peitschenhieben pflügt Markus Tomczyk durch eine Definition des Absurden, wobei ihm allerdings eine schwere Umlautstörung ständig in die Quere kommt. Nikos Konstantakis hat sich ein knappes violettes Leibchen mit Engelsflügelchen angelegt und gibt einen Crashkurs im Sich-Bekreuzigen mit allen sexuellen Konnotationen, die sich darin finden lassen.

Die Folie des Camp liegt über allen Szenen dieser Nummernrevue, Kitsch, Lächerliches und Übertreibung sind nie weit. Zugleich verortet die plumpe wiederkehrende Zwischenmusik den Abend in der Welt des Zirkus‘. Wie aufgedreht flitzen die beiden Glamourboys im Dunkeln über die Bühne, als ob sie die nächste große Nummer vorbereiten. Was folgt, ist dann doch wieder Nonsense wie das Interview mit griechischen Fragen, auf die als Antwort immer wieder das Wort „malaka“ ertönt, ein Slangwort, das für alles von Wichser bis Blödsinn steht. Oder die Suada einer krähenden Assi-Schlampe, die den Beruf der Choreografin entdeckt und ihr Sexleben in „voll krasse Moves“ übersetzt.

So komisch viele Szenen gemeint scheinen, es liegt auch ein sarkastisch-kritischer Subtext darunter. Wenn Nikos Konstantakis in Rock und BH als Kostja aus Tschechows „Möwe“ über die Schwierigkeiten des Schauspielerberufs lamentiert, schieben sich das Spielen mit Geschlechter- und Bühnenrollen übereinander. Heteronormative Erwartungen kreuzen sich mit Zuschauererwartungen im Theater, tradierte Geschlechterordnungen und rationale Sinnvermittlung gehen Hand in Hand. Am Ende werden die Zuschauer gefragt, ob sie ein Happy End wollen. Auch hier gibt es für das Duo kein Entkommen.

„Pink Is My Favourite Number“ | R: Tripletrips | WA Frühjahr 2017 | Studiobühne Köln | 0221 470 4513

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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