Rosemarie Trockel, Entenanhänger, 1998, © VG Bild-Kunst Bonn 2025
Foto: DetlefSchmumacher.com

Das Werk von Künstlerinnen

16. März 2026

„Von Louise Bourgeios bis Yoko Ono“ im MAKK – kunst & gut 03/26

Schmuck ist konform und nicht konform. Er ist eine Zierde des Körpers und bricht von Mal zu Mal mit Regeln und Erwartungen. Er kann rein auf seine ästhetische Erscheinung hin geschaffen sein, aber auch tiefere Aussagen und persönliche Statements enthalten. Schmuck kann provokant sein, immer ist er ein Zeugnis seiner Zeit, mitunter Ausdruck von Verbundenheit mit anderen Menschen und vielleicht von Luxus und Wohlstand. Auch wenn er den Konventionen der Tragbarkeit folgt, ist er nicht auf ein bestimmtes Material oder ein Format festgelegt.Natürlich haben sich auch Künstler:innen dieser kleinen Skulpturen angenommen, unter den Vorgaben des Angewandten wie z.B. der seriellen Produktion und der praktischen Tragbarkeit, oder sie haben dagegen verstoßen.

Derzeit sind im Museum für Angewandte Kunst gleich zwei Ausstellungen mit Schmuck zu sehen, die sich kongenial ergänzen. Weit gefasst ist die Präsentation mit Schmuckstücken aus der eigenen Sammlung des Museums, die Exponate vom 5. Jahrtausend v.Chr. bis heute umfasst, produziert von (unbekannten) Handwerker:innen und Spezialist:innen für dieses Genre, aber auch ausgewiesenen Künstler:innen. Gegliedert ist die Auswahl auf Schautafeln nach Kriterien der Chronologie, des Gebrauchs und Zusammenhangs, der Bildsprache und des Emotionalen, wobei die kreativen Produzent:innen selbst in den Hintergrund treten. Demgegenüber stellt die Schau im zweiten Obergeschoss ausschließlich Exponate von freien bildenden Künstlerinnen seit den 1920er-Jahren vor, durchweg von Frauen, die als Persönlichkeiten mit einem Individualstil hier nun in den Vordergrund treten.Nun werden auch weitere Aspekte von Schmuck deutlich, die um Identität, Rollenzuschreibungen und Individualität kreisen.

Helen Britton, All the beautiful colours I could find, 2023, Collier, © Künstlerin, Foto: Dirk Eisei

Voilà! Etliche bekannte Namen sind hier vertreten, die man im Bereich des Schmucks kaum vermutet hat. Andere, weniger bekannte Künstlerinnen sind vielleicht mehr mit Schmuckkunst in Erscheinung getreten oder stehen am Anfang ihrer Karriere. Die älteste Teilnehmerin ist Sophie Taeuber-Arp, und über Louise Nevelson und Jenny Holzer oder Rosemarie Trockel führt die Präsentation zu den Künstlerinnen der jüngeren Generation wie Alicja Kwade und Claudia Comte. Neben die Funktion als Schmuckstück, die klar ausgewiesen ist, treten gesellschaftliche Aussagen und die Frage, inwieweit sich der Schmuck mit dem Vokabular der freien Kunst deckt. Da sind die Motive, die in den neuen Kontext übersetzt wurden, etwa die Spinne von Louise Bourgeois (eine Brosche) oder eine Textzeile von Yoko Ono (ein Fingerring). Rita McBrides Fingerringe „Mae West“ erinnern im kleinen Format an ihre großen zentralen Skulpturen im öffentlichen Raum.Louise Nevelson verwendet auch jetzt schrundige Holzstücke und Meret Oppenheim arbeitet weiterhin mit Pelz undReadymades.Mitunter ist Schmuck doch mehr als Kunstwerk denn als Gebrauchsgegenstand verstanden – und dann wird er, dezent infiltrierend, zum politischen Statement.Ganz einfach, Schmuck kann hoch artifiziell und sehr kritisch sein.

Von Louise Bourgeois bis Yoko Ono. Schmuck von Künstlerinnen | bis 26.4. | Museum für Angewandte Kunst | 0221 22 12 38 60

Thomas Hirsch

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