Wir sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, und da weichen wir gern mal aus ins Kino. Idealerweise bringt uns dort ein Film zum Lachen. Nur: Können wir uns daran erinnern, wann wir das letzte Mal im Kino 90 Minuten lang aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen sind? Wann wir zuletzt ohne Sinn und Verstand bis in den Abspann so richtig feste abgelacht haben? Nein? Jemals? Nun, vielleicht tun wir Arthouse-Heinis uns da auch etwas schwerer. Man hat schließlich Ansprüche, man sucht ja kultivierten Witz. Der Gag muss gar nicht artig sein, aber „arty“. Er soll uns erreichen, aber nicht zu schnell. Minimalanspruch: Metapher. Kalauer? No-Go! Unter Groucho Marx, Billy Wilder und Loriot geht da nichts. Nur: Die gibt‘s nicht mehr. Und, Anspruch hin oder her: Das Kino tut sich längst grundsätzlich schwer mit gutem Humor. Weil es schnell mal vergisst, dass auch zum Spökes Hirn gehört: Selbst der Kalauer hat ein Gefälle. Außerdem krankt der Klamauk, weil: „Man darf ja sowieso nichts mehr!“ Wobei: Dass Wokeness uns den Mund verbietet und am Ende gar das Lachen, ist natürlich fingierter Blödsinn. Seit jeher gilt bloß: Je verfänglicher das Thema ist, desto durchdachter und gewitzter müssen Argument und Pointe sein.
Uns aber fehlt der gepflegte Schabernack. Albern, gaga, sinnfrei. Quote mit Schote. Was waren das für Zeiten: Jerry Lewis gibt das Aschenblödel und Peter Sellers den Clouseau. Von „Väter der Klamotte“ bis „Männer ohne Nerven“: Ab 1973 erleben wir im Fernsehen das Revival stummen Slapsticks. Zeitgleich wird mit „Nonstop Nonsens“ und „Klimbim“ nagelneuer Unfug produziert. Beim deutschen Kinofilm indes: Tote Hose. Während Mel Brooks oder John Landis und die Zucker-Brüder („Kentucky Fried Movie“) Ende der 1970er jenseits des Atlantiks das Comeback des Leinwandhumbugs anschieben, lacht Deutschland erst 1985 auf – aber sowas von: Zu „Otto – Der Film“ beömmeln sich 8,8 Mio. Bundes- und 5,7 Mio. DDR-Bürger:innen gleichermaßen. Es geht doch! Aus den USA gesellt sich 1988 Lieutenant Frank Drebin („Die nackte Kanone“) dazu und befeuert seither (immer schlechtere) US-Genreparodien. Glorreichen Quatsch quer durch die Gattungen serviert uns hierzulande in der Folge Helge Schneider mit seinen großartigen Possen „Texas“ und „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“. Live gelingt es ihm bis heute, von Tanzbrunnen bis Philharmonie alle Lager vor sich zu vereinen. Im Kino schafft das zuletzt 2001 Bully Herbig mit „Der Schuh des Manitu“. Hier biegen sich 11,7 Mio. Bundesbürger:innen. Seitdem: Funkstille.
2025 nun neue Hoffnung: Nach dem großen Slapstickspaß „Hundreds of Beavers“ im Frühjahr kehren jetzt die einstigen Schoten-Garanten Drebin („Die nackte Kanone“) und Abahachi („Das Kanu des Manitu“) zurück auf die Leinwand. Wer mehr will, dem sei „Wilma will mehr“ oder der in Cannes prämierte „Sirât“ empfohlen. Und wer grundsätzlich zum Lachen lieber in den Keller geht, der findet skurrile Abgründe in „Der Kuss des Grashüpfers“.
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