Die USA unter Trump, Vance und Strippenzieher Peter Thiel setzen all denjenigen derbe zu, die nicht weiß, hetero und stramm rechts verortet sind. Während die mächtigen IT-Giganten begeistert mitmarschieren, nehmen große Filmproduktionsgesellschaften schon mal Abstand von ihren Toleranzauflagen der letzten Jahre. Geld ist halt flexibel. Viele Filmemacher:innen zum Glück weniger. Es ist natürlich schlimm genug, wenn Filme zensiert werden oder im Hinblick auf den Weltmarkt den lesbischen Kuss direkt selbstzensieren. Zugleich aber gibt es zum Glück (noch) Kinofilme, die nach wie vor mehr oder weniger ungeschminkt kritisch Bezug nehmen auf wachsende Strömungen allgemeiner Intoleranz. Weil genau das Kino ausmacht. Weil Kino Demokratie braucht – und die Demokratie das Kino.
Auffallend eifrig ist zurzeit Ethan Coen unterwegs, der gemeinsam mit seiner Gattin und Drehbuchautorin Tricia Cooke eine wilde Krimi-Trilogie (bisher: „Drive-Away Dolls“ und „Honey Don’t!“) raushaut, die selbstbewusst, frech, trotzig und wütend Haltung bezieht, wenn darin Margaret Qualley als offensiv lesbische Protagonistin rückständig konservativen Rezipienten genüsslich Schnappatmung bereitet. In diesem Oktober nun ist in unseren Kinos der Gegenwind gegen die autoritäre Politik lächerlicher Männer ganz besonders präsent. So legt sich in Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ der Rebell Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) mit der inquisitorischen US-Polizei- und Zollbehörde an. Die Archäologin Maria Reiche verteidigt historische Artefakte vor dem Eigennutz eines Großgrundbesitzers („Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca-Linien“). „Drei Kilometer bis zum Ende der Welt“ dekliniert schmerzhaft die Folgen institutionalisierter Homophobie. In „Animale“ zeigt eine weibliche Stierkämpferin den Macho-Toreros die Stirn. Und „Das tiefste Blau“ gewinnt bei der Berlinale den Silbernen Bären und folgt dystopisch einer alten Frau in Brasilien, die vom Regime als wertlos eingeordnet und aus der Stadt verbannt wird – eine filmische Reflexion mit den faschistoiden Machenschaften eines Bolsonaro.
Der Kino-Oktober: Ein Herbst der Nonkonformen gegen die brüderlich vereinten Autokraten dieser Welt, gegen zunehmend autoritär waltende „Demokraten“, gegen Sozialabbau, Sexismus und Hasskultur. Zugleich bietet die Leinwand immer auch Diskussionsgrundlagen, wenn z.B. „Solidarity“ vielschichtig den Solidaritäts-Begriff diskutiert. Und wer sich fragt, wo Freiheit noch zu finden ist, der kann sie in „Home is the Ocean“ suchen, in dem eine Familie auf den Weltmeeren zu Hause ist. Damit sitzen sie bloß zugleich im Boot mit Peter Thiel, der von autarken Inseln als rechts- und steuerfreie Räume träumt, von denen aus er die Welt ungehemmt neu zu ordnen gedenkt. Neoliberal. Autoritär. Faschistisch. Auch davon hören wir sicherlich bald mehr im Kino, das uns natürlich auch in diesem Monat jede Menge Ablenkung von derlei Sorgen schenkt. Auch Lachen lässt es sich ja am freiesten in der Demokratie.
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