Der DJ steht in schwarzem Outfit mit Basecap am Tisch, vor sich Notebook und Mischpult. Hinter der ikonischen Figur der Gegenwart, die sich als Ausbund vertrauensselig-aufpolierter Freundlichkeit präsentiert, steckt allerdings ein Schauspieler, der wiederum von dem Schauspieler Gareth Charles gespielt wird. Wer spielt hier eigentlich was? Über die thematische Brücke Europa und EU landet der von Deborah Krönung inszenierte Monolog schnell in der Ukraine und dem Krieg mit Russland. Der Schauspieler öffnet die Schleusen seines postheroischen Gewissens und offenbart seine moralischen Hämatome: sein behütetes Wohlstandleben; sein Pazifismus, der sich über die Allgegenwart des Kriegs hinwegtäuschte; die Unwilligkeit der Deutschen, ihr Land zu verteidigen, und last but not least die Infragestellung aktueller westlicher Männlichkeitsbilder durch den Krieg. In guter alter leninistischer Tradition poppt schließlich die Frage „Was können wir tun?“ auf.
Man kann den Abend als simples Reenactment eigener Gewissensnöte verstehen, kann aber auch eine sehr unangenehme Analyse herauslesen. Da sieht sich eine Generation, die sich für Weltklima, Diversität, Antirassismus engagiert, plötzlich als wohlstandsverweichlicht diffamiert. Ein Satz wie „Wer bin ich, dass ich über die Ukraine rede“ offenbart das Dilemma zwischen cultural appropriation versus Unterstützung der Ukraine. Und selbst die immer emphatischer vertretene Schlussfolgerung uneingeschränkter Waffenlieferungen an die Ukraine lässt sich durchaus als die zwiespältige Haltung eines delegierten Kämpfens verstehen. Ein kleiner Abend mit subkutaner Wirkung.
Zeit für Entscheidung | R: Deborah Krönung | weit. Termine Okt/Nov. 2022 | c.t. 201 / Orangerie | 0221 952 27 08
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