Viele Filmbegeisterte reagieren allergisch auf Spoiler. Das beherzigen Filmjournalist:innen natürlich und versuchen, in ihren Ausführungen Filminhalte aufs Minimum zu reduzieren. Oder, falls nicht, Spoiler-Warnungen davorzusetzen. Meistens. Manchmal. Nun, da dies mitunter nicht hinreichend verinnerlicht scheint, spart der Filmverleih nicht an entsprechenden Hinweisen. Mitunter richten sich Regiseur:innen gar höchstselbst an die Journalist:innenschaft, so beim Start zu „Parasite“, als Regisseur Bong Joon Ho in der Presseeinladung einen Spoiler-Check für Dummys formulierte: „(…) verzichten Sie bitte so weit wie möglich darauf, zu verraten, wie die Geschichte sich entfaltet, nachdem der Bruder und die Schwester beginnen, als Nachhilfelehrer zu arbeiten.“
Soweit, so gut. Nun haut das Kino indes ein Prequel nach dem anderen heraus, Filme, die die Vorgeschichte zu existierenden Kinofilmen erzählen. Da haben wir uns neulich gefragt: Macht ein Prequel den Vorgängerfilm rückwirkend nicht zu einem gigantischen Spoiler? Aktuell zu beobachten an der Fortsetzung zu „A Quiet Place“, der nun mit „Tag Eins“ fort- bzw. zurückgeführt wird. Man geht also ins Kino, weiß aber schon, wie alles ausgeht. Natürlich haben wir das verstanden: Bei Prequels geht es oft um Ursachenforschung. Damit wäre auch die Frage danach beantwortet, warum im Arthouse-Sektor Prequels die seltene Ausnahme sind: weil es für gewöhnlich zum Wesen des Arthouse-Films gehört, Ursachenforschung direkt zu betreiben.
Der Blockbuster aber fragt gern mal erst in der Fortsetzung: Wie fing alles an (s.o.), wo kam das alles her und warum (um bei verstimmten Außerirdischen zu bleiben: „Alien: Prometheus“). Also: Spoiler sind nur doof, wenn sie Inhalte eines konkreten Films, nicht aber, wenn sie innerhalb einer Filmreihe spoilern, also nachträglich bzw. rückwirkend – ach herrje, ist das kompliziert! Und was ist eigentlich mit Remakes? Wenn spoilern heißt: Sag‘s mir nicht, ich will‘s nicht wissen – dann gilt für Remakes: Zeig‘s mir nicht, ich weiß es schon! Beispiel: Muss ich ein drittes Mal miterleben, wie Jesus ans Kreuz genagelt oder Peter „Spider-Man“ Parker von der Spinne gebissen wird? Klar, bei Remakes geht es nicht mehr um das Was, sondern um das Wie und Wann. Um den neuen Zeitbezug, den narrativen Ansatz, den Stil oder die andere Perspektive. Und so funktioniert Kino auch dann, wenn man den narrativen Rahmen längst verinnerlicht hat. Niemand „disst“ Romane, weil sie ihre eigene Verfilmungen spoilern. Wäre ja noch schöner: Romane erscheinen fortab erst nach ihrer Verfilmung!
Egal: Die meisten Filme sind originär, wie auch in diesem Monat, wenn Giorgos Lanthimos böse-satirisch das menschliche Miteinander auseinandernimmt („Kinds of Kindness“). Oder wenn zwei starke Frauen auf den Putz hauen („Love Lies Bleeding“). Wobei: „Thelma & Louise“?! Ist also doch alles schon irgendwo, irgendwie und irgendwann schon längst erzählt worden? Ja. Vor allem aber: Nein! Kino ist schon verrückt, was?
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