Der Börsenplatz der IHK Köln während der Interactive Cologne
Frank Schoepgens

„Keine Entschuldigungen mehr, etwas nicht zu tun“

18. Juni 2015

Die Zeitreise der Interactive Cologne 2015 – Spezial 06/15

Mehr als 4.000 Besucher, 40 Vorträge und 150 Referenten. Unter dem Motto ‚the future of...’ ermöglichte die Interactive Cologne zum dritten Mal am 10.&11.6., diesmal erstmalig gemeinsam mit dem Medienforum NRW, eine Plattform für alle Akteure und Interessierten aus den Medien-, Kreativ- und Digitalbranchen.

Die Panels thematisierten die Entwicklung verschiedenster Bereiche im Hinblick auf die Digitalisierung. Angefangen bei klassischen Medienthemen wie Journalismus, Fernsehen und Hörfunk über Wirtschaftsthemen, bis zu Sport und Gesundheit.

Diese Zeitreise ist eigentlich gar keine, denn wir befinden uns bereits in der Zukunft. Immer wieder verdeutlichen die Referenten, dass die Frage nach der Digitalisierung gar keine ist. Dass wir auf die Digitalisierung noch nicht geantwortet haben, ist die andere Sache. Die fehlende Bereitschaft, etwas im Umgang mit der Digitalisierung zu ändern, wurde oft kritisiert. „Keine Entschuldigungen mehr, etwas nicht zu tun. Jeder sollte an seiner Stelle digitalen Wandel voranbringen“, so Prof. Dr. Tobias Kollmann, Repräsentant von „Digitale Wirtschaft NRW“, im Panel „Digitales NRW - Chancen und Risiken der digitalen Gesellschaft“. Nicht nur bei diesem, sondern auch bei anderen Panels wurde oft das Wort „verschlafen“ im Zusammenhang mit Digitalisierung gebraucht. Für viele Unternehmen fernab von der TIME Branche (Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien und Entertainment) fehlen häufig die Zeit und auch das Hintergrundwissen, um konkrete Pläne, die es außerdem noch gar nicht gibt, umzusetzen.

Panel 'Digitales NRW - Chancen und Risiken der digitalen Gesellschaft' FOTO: Frank Schoepgens

„Digitale Kompetenz ist eine Schlüsselkompetenz der Zukunft, wenn wir sicherstellen wollen, dass wir die Systeme beherrschen und nicht die Systeme uns“, steht im Programmheft der Interactive Cologne.

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für den Bereich „Digitale Medien“ bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, befürchtet in der Runde zum Thema „Next Level Journalism“ einen der radikalsten Umbrüche in der Medienwelt: Der Deal zwischen Facebook und populären Medien wie The New York Times, BBC, Buzzfeed, Bild und Spiegel. Diese sollen ihre Artikel nicht auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen und ihn dann auf ihren Facebook Seiten verlinken, sondern ihn nur auf Facebook selbst posten. Von Blumencron spricht von der Angst, dass große Plattformen, nicht nur Facebook, sondern auch Apple, klassische Medien, wie auch die FAZ, die sich nach langem Überlegen gegen das Instant Article-Modell ‚’ entschieden hat, verdrängen könnten. „Wir werden zur verlängerten Werkbank von Facebook!“, so von Blumencron. In der Diskussionsrunde geht es vor allem um die Entwicklungen der klassischen Medien in Hinblick auf die Digitalisierung und all die Möglichkeiten und Risiken. Auch hier wird der Einwand wiederholt, diesmal von Juliane Leopold von Buzzfeed, dass man den Wandel verschlafen hätte. Man müsse neue Lösungen finden für das Problem, dürfe sich nicht einschüchtern lassen. Obwohl sie immer wieder von den anderen anwesenden Referenten darauf hingewiesen wird, dass Buzzfeed Deutschland nicht zu vergleichen sei mit Qualitätsmedien, argumentiert sie souverän und sorgt für eine lebhafte Diskussion. Für Stutzen auf Seiten der anderen Referenten sorgt sie mit ihrer Antwort auf die Konsequenzen der neuen Ad-Blocker von Apple: „Ad-Blocker sind nicht das Ende des Journalismus!“

Neben all den Diskussionen über Bestehendes, werden auch neue Projekte vorgestellt. Wie Daniel S. Margulies und Wilfried Runde, die mit ihrer These, dass man den Zustand des Glücks nur während eines „Flows“ erreicht, das DJing in den Mittelpunkt rücken. Im Flow ist man, wenn man klare Ziele verfolgt, keine Angst davor hat, zu scheitern, die Zeit vergisst, die Herausforderungen und das Können im Gleichgewicht sind und Ablenkungen nicht mehr auf einen einwirken. Während des Auflegens sei man derart im Flow, dass man aufhört darüber nachzudenken, was man tut und wie man es tut. „The records select themselves“, so ein DJ, der in einem kurzen Video zum Projekt begeistert von seiner Passion spricht. DJBrain sei ein Projekt, um den Flow zu erforschen. Statt einen DJ in eine MRT Röhre zu schieben, müsse man ihn am DJ Pult bei seiner Arbeit untersuchen. Da bietet die Interactive Cologne natürlich den passenden Anlass: Zum Abschluss der Interactive Cologne fand im Kölner Heinz Gaul die Clubnacht statt. Wo nicht nur die Gehirnaktivität des DJs, sondern auch die Bewegungsaktivität der Besucher gemessen wurde. Welche Ergebnisse dieses Experiment erzielt und wie sie die Forscher weitergebracht hat, ist noch unklar.

Daniel S. Margulies stellt das Projekt DJBrain vor. FOTO: Frank Schoepgens

Neben der Digitalisierung wurde ein anderes Thema ebenfalls immer wieder stark in den Mittelpunkt geschoben: Die fehlende Start-Up Kultur in Deutschland. Die deutsche Bürokratie und all die, nicht nur finanziellen, Hindernisse einer Existenzgründung führen zu einer weitverbreiteten Angst vor dem Scheitern. Prof. Dr. Kollmann ermutigt das Publikum mit den Worten, dass man „einfach machen“ sollte. Tolle Start-Ups müssen auch nicht immer nur in Berlin, oder gar Amerika, entstehen. „Es ist nicht die Frage, wo ich gründe, sondern dass ich gründe.“

Motivation und Inspiration gab es über diese Worte hinaus an jeder Ecke auf der Interactive Cologne. Schon zu Beginn rät Hugh Forrest, einer der Organisatoren der South by Southwest, eine Art Festival mit Konferenzen und Ausstellungen in Austin, dazu, sich zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen. Wofür Veranstaltungen wie das South by Southwest und die Interactive Cologne geschaffen seien.

Dafür wurden eine ganze Menge Möglichkeiten geboten. Ob im bevölkerten Foyer, in den kreativen Workshops oder draußen bei sonnigem Wetter auf dem Börsenplatz bei leckerem BBQ.

Überall tummelten sich begeisterte Macher und Jene, die es werden wollen, um sich auszutauschen und wie der Titel Interactive Cologne herausfordert: zu interagieren.

Ahrabhi Kathirgamalingam

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