Die Märchen- und Sagenwelt sorgt schon bei den kleinsten Erdenbürgern für Begegnungen mit dem Überirdischen, das steigert sich mit zunehmendem Alter. In der absoluten, also der nicht textorientierten Musik, schwingen häufig Vibrationen durch die Klänge, die weniger alsProgramm zu deuten sind – Beethoven nannte es „mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“. Das Konzert „Dämonen“ der Neuen Philharmonie Westfalen mit ihrem Generalmusikdirektor Rasmus Baumann vollzieht einen Perspektivwechsel:Von fliegenden Hexen über dem Blocksberg über grabende Selbstzweifel eines Besessenen bis zu maskierten Klängen eines von dämonisch rigorosen Machthabern verfolgten Tonsetzers reicht die Palettepsychologisch beeinflusster Musik.
Sagen und Märchen mit bizarren Gestalten wurden häufig von slawischen Komponisten vertont. Modest Mussorgsky war der russische Autodidakt, der aus dem Herzen seine Töne zusammenschraubte – oft halfen ihm Kollegen, die Stücke zu instrumentieren. So sah der hauptberufliche Beamtenicht nur die Hexen und Zauberer auf ihren Besen oder auf Celli und Bässen durch die Lüfte fegen, er hörte die Dramatik einer „Nacht auf dem kahlen Berge“, bei uns bekannt als der Blocksberg. Und er benutzte eine rustikale Tonsprache, die im Westen als „das Barbarische“ für typisch russisch gehalten wurde. Die Fantasie des wilden Nationalisten beflügelte in dieser Szene vielleicht auch seine antrainierte Trinkfestigkeit – er war sehr gut am Glas.
Der Rachmaninow-Virtuose Joseph Moog versieht die Partie im zweiten Klavierkonzert des Komponisten/Interpreten mit den riesigen Händen, eine Herausforderung der besonderen Art für zarte Damenhände. Rachmaninow ließ sich zur Zeit der Niederschrift von einem Psychiater hypnotisieren, er stand sich nämlich selbst im Wege. Die hypnotische Saugkraft des Arztes übertrug sich in das Werk – die süffigen Themen sorgten besonders in Hollywood später für goldenen Boden.
Wie sein heutiger Nachfolger verlangte Stalin besonders auch in Künstlerkreisen unbedingten Repekt. So durfte niemand den Tönen aus Dmitri Schostakowitschs Feder unbedingten Glauben schenken – gehört wird zwischen den Tönen, dämonisch das Ganze.
9. Sinfoniekonzert: Dämonen | Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen | Mo 6.7. | Ruhrfestspielhaus, Recklinghausen | Di 7.7. | Konzertaula, Kamen | Mi 8.7.
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