Schwammrelief von Yves Klein im MIR
Foto: Pedro Malinowski

Alles Blau

29. August 2026

Neue Intendanz am Musiktheater im Revier – Oper in NRW 09/26

Geht man abends in der Dunkelheit auf das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen zu, meint man, vor einer Lichtskulptur zu stehen. Der voluminöse Bau entmaterialisiert sich. Das filigrane Konstrukt der Treppenhäuser gliedert die Lichtfläche. Innen leuchtet das Blau der Reliefs von Yves Klein. Da kommen die Visionen von Walter Ruhnau in den Sinn: Er konzipierte nicht nur ein Bauwerk. Sondern seine Architektur sollte eine Chiffre für eine offene und sensiblere Gesellschaft sein. Ihm schwebte eine „Luftarchitektur“ für eine „Schule der Sensibilität“ vor.

Mit ihrer Architektur und Kunst haben Ruhnau und Klein einen der schönsten Nachkriegs-Theaterbauten in Deutschland realisiert. Der visionäre Gedanke einer Verbindung zu einer veränderten Gesellschaft blieb aber auf der Strecke. An diesem Punkt setzt das Musiktheaterkollektiv „Kommando Himmelfahrt“ an. Der neue Intendant Frank Hilbrich hat das Hamburger Team engagiert, um mit dem Projekt „Blau“ die Utopie von damals ins Heute zu überführen. Zu einer fließenden Musik, erdacht von Komponist Jan Dvořák, wandert das Publikum vom Vorplatz über die Foyers in die Theatersäle. Dabei erleben die Besucher – so das Kollektiv – „Spiel, Musik und blaue Interventionen“. Die von Regisseur Thomas Fiedler inszenierte Performance klingt aus mit einem „Ball bleu“.

Hilbrich will mit einem bunten Spielplan „Zugang schaffen für Neugier, spielerische Lust und offene Sinne“. In der Oper beginnt er mit einem Klassiker des 20. Jahrhunderts, Alban Bergs „Wozzeck“ in der Regie von Ilaria Lanzino. Die Italienerin ist in Düsseldorf, Dortmund, Hannover, Leipzig, Nürnberg mit wohldurchdachten Inszenierungen aufgefallen. Die musikalische Leitung hat der neue Erste Kapellmeister John Warner. GMD Rasmus Baumann steht am Pult, wenn der neue Intendant Frank Hilbrich einen Klassiker der italienischen Oper inszeniert: Giacomo Puccinis „Tosca“ mit Susanne Serfling in der Titelrolle.

Neu ist auch die Leitung von TanzGelsenkirchen: Muhammed Kaltuk präsentiert sich mit einer Choreografie, die einmal nicht auf bekannte Stoffe zurückgreift: „Sind so kleine Hände“ mit Liedern von Bettina Wegner in neuer Begleitung von Gabriel Mareque fragt nach „den Möglichkeiten jedes einzelnen Menschen, Einfluss zu nehmen, sich zu behaupten und Veränderungen anzustoßen“. Dem MiR steht ein spannender Herbst bevor.

Blau | 19.9. (Premiere); 20., 26., 27.9. und 3.10. | 0209 4097 200 | Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Werner Häussner

biograph | choices | engels und trailer - die online Kinoprogramme für
Bochum, Bonn, Castrop-Rauxel, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frechen, Gelsenkirchen, Hagen, Herne, Hürth, Köln, Leverkusen, Lünen, Mülheim, Neuss, Oberhausen, Recklinghausen, Solingen und Wuppertal