Die freien Musiker in Deutschland haben auch noch andere Themen zu bieten als die Frage nach den finanziellen Einkünften. Neben den spektakulären Managergehältern sind ihre Bezüge natürlich noch viel spektakulärer – wie jetzt die Initiative des Kulturmanagers Johannes Schatz verdeutlicht. Seine Facebook-Gruppe „Die traurigsten und unverschämtesten Künstlergagen und Auditionserlebnisse“ formierte in wenigen Monaten eine breite fünfstellige Front von Mitgliedern, die alle unglaubliche Unterdrückung, gewissenlose Ausbeutung und unmoralische Angebote anprangern konnten. Da scheint also einiges im Busch zu sein, und es trifft in dieser Branche nicht nur die „Päckchenauslieferer“ am unteren Ende der Rangfolge der Lohnempfänger, sondern auch Klassikkünstler, die auf edlen Bühnen wie der der just beendeten Salzburger Festspiele beschäftigt sind: Immer mehr sozialverträgliche Regelungen wie Probenpauschalen oder Unterbringung werden kurzerhand gestrichen – das sind natürlich Beobachtungen durch die Fettaugen auf der Kultursuppe. Kostenfreies Proben und Übernachtung bei Freunden und Verwandten sind der Normalfall im Leben eines freien Künstlers.
Nichts oder wenig zu verdienen, kann aber auch von großem Nutzen sein. Das wurde bei der vergangenen Kölner Musiknacht deutlich. Eine so wilde Mischung von abseitigen Themen lässt sich nur realisieren, wenn niemand auf irgendeine Quote bzw. auf den guten Besuch einer Veranstaltung schielen muss. Die vierhundert Musiker dieser außergewöhnlichen Septembernacht bekamen eine Einheitsgage, die mehr einer Aufwandsentschädigung glich. Dafür konnten sie aber aktuelle Programme präsentieren, die nicht auf Anhieb Volksmassen mobilisieren. Der Klang von Harfe mit Schlagzeug im „Duo MiRi“ lässt sich kaum voraushören, es passte aber genial sogar im „Italienischen Konzert“ von Bach.
Ein musikalisch leider minderwertiges Sufi Ensemble versuchte die neugierigen Besucher mit dem brisanten Drehtanz eines Derwischs zu missionieren, bei einhundert Konzerten ist auch mal ein Fehltritt möglich. Die „Sprechbohrer“ vergnügten sich und die Gäste mit aus der Kehle geratterten „Rakakabebe“ Marke Schwitters oder Pastior – Zeitreise ins Dada-Land. Es gab Musik von Max Bruch auf dem Altsaxophon in einem bezaubernden Konzertsaal im Hinterhaus der Firma Schoke, auch Orte lernten die Besucher bei 25 verschiedenen Spielstätten lauschend kennen. Und da hat ja Köln besonders mit seinen tollen Kirchenbauten und dem in die Musiknacht integrierten ökumenischen Kirchenmusikfestival einiges zu bieten, inklusive der drei Konzerte im Kölner Dom.
Eigentlich war in dieser Nacht nur zu bedauern – und darum schreibe ich diese Nach-Betrachtung –, dass relativ wenige Menschen dieses Angebot nutzen. Es lockt eine paradiesische Vielfalt zum Einheitspreis, und individueller kann sich kein Kulturfreund seinen eigenen Lustpfad durch die Stadt gestalten als in dieser Nacht. 2014 wiederholt sie sich zum 10. Mal, das sollte nicht unbemerkt vorüberziehen. Ein solches Angebot ist ein echtes Geschenk der Freien Szene an ihre Stadt – man sollte sich beschenken lassen!
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