Julian Prégardien
Foto (Ausschnitt): Peter Rigaud

Väter und Söhne

19. Dezember 2025

Christoph und Julian Prégardien in Dortmund und Köln – Klassik an der Ruhr 01/26

Wenn der Vater mit dem Sohn in der Berufswahl übereinstimmt, hat der Vater einiges richtig gemacht. Väter vermitteln ihrem Nachwuchs im Idealfall, ob sie in ihrer Lebensführung glücklich und inspiriert sind – dann ist die Nachfolge kein Problem mehr. In der Wirtschaft scheint dies häufig nicht gelungen, besonders im Handwerk klaffen weithin Lücken in der Nachfolge mit weitreichenden Folgen.

Im künstlerischen Bereich stehen häufig die Söhne im Schatten ihrer prominenten Eltern, allerdings dienen diese auch manchmal als Türöffner, wenn das der Nachwuchs zulässt. Starke Charaktere entscheiden sichoft gegen jeglichen Protektionismus. Der Verdacht auf Protektionismus kommt beim Sängergespann Christoph (Vater) und Julian (Sohn) Prégardien nicht auf, als Tenöre im lyrischen Fach wären sie eigentlich eher Konkurrenten – wenn der Vater nicht auch zum Taktstock greifen würde und seinen Sohn dann gerne als Gesangssolisten leitet und genießt. Dass sie sich beide inVaters Domäne „Liedgesang“ an einem Abend zur Schubertiade mit Christophs langjährigem Klavierpartner Michael Gees treffen, bedarf schon eines besonderen Anlasses: Christoph Prégardien begeht an diesem Abend in Dortmund seinen 70. Geburtstag.

Für Michael Gees, einem absoluten Ausnahmemusiker, der auch komponiert, müsste der Begriff „Klavierbegleiter“ endlich abgeschafft werden. Der Pianist bringt sich für gewöhnlich mit jeder Note ein, steuert den Dialog mit den Stimmen und flüstert oder tobt im Dialog mit seinen Partnern. Jetzt singen Vater und Sohn Lieder und auch Duette von Franz Schubert – Festgesänge für jeden lyrischen Sänger.

In Köln versetzen die beiden Prégardiens ihr Familienthema in einen historischen Kontext. Mit dem Freiburger Barockorchester und dem angesagten Klavierspezialisten Kristian Bezuidenhout widmen sie sich Werken von Vater und Sohn Mozart. Dass von letzterem die Mehrheit der Menschheit nie etwas gehört hat, spricht nicht gegen sein schmales Oeuvre, er war mehr als Klaviervirtuose unterwegs. Vater und Sohn singen eine berührende Szene aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“, in der dem Titelhelden durch Schwur befohlen wurde, nach seiner Rettung die erste gesichtete Person den Göttern zu opfern. Natürlich trifft er seinen Sohn.

Christoph und Julian Prégardien | Konzerthaus Dortmund | 18.1. | Kölner Philharmonie | 2.2.

Olaf Weiden

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