Gäbe es eine Hall of Fame des Tanzes, dann stünde der amerikanischen Tänzerin und Choreografin Martha Graham (1894-1991) sicher ein herausragender Platz darin zu. Sie gilt als Pionierin des Modern Dance, obwohl sie nie modern oder modisch sein wollte und deshalb schon früh vom zeitgenössischen Tanz sprach. Ein Sprachgebrauch, der sich heute durchgesetzt hat. In der Regel wird aber meist vergessen, dass auch die Themen ihrer Choreografien zeitgenössisch waren. Wie viele Künstler der 1930er Jahre, die von Krieg und Wirtschaftskrise bestimmt waren, bezog sie klare Position zu den zeitgenössischen politischen und wirtschaftlichen Problemen. Ihr Anti-Kriegs-Stück „Chronicle“ entstand in einer Zeit, in der auch Picasso mit „Guernica“ gegen Krieg und Faschismus protestierte. Viele ihrer Stücke sind politische Statements. Sie zeugen von der Kraft des Tanzes, sich in den politischen Diskurs einzuschalten. Wenn Martha Graham heute vorwiegend als Innovatorin einer neuen Tanztechnik bekannt ist, die bald zum typischen Graham-Stil avancierte, der weltweit nachgeeifert wurde, dann wird ihr dies also nicht ganz gerecht.
Es ist deshalb ein großer Verdienst der Martha Graham Dance Company, die heute von Janet Eilber geleitet wird, auch einen Teil ihrer frühen Stücke im Repertoire zu behalten und damit die zeitlose Aussagefähigkeit des Tanzes zu bekräftigen. Mit „Steps in the Street“ (1936), das im Selbstverständnis der Choreografin ein wichtiges politisches Stück ist, kommt die Company nun zu einem einmaligen Deutschland-Gastspiel zu den Internationalen Tanzwochen nach Neuss. Das Stück ist eine Reaktion auf die von ihr abgelehnte Einladung der Nazis zur Eröffnung der Olympiade in Berlin. Es ist Teil von „Chronicle“ und wird nur von Frauen getanzt. Mit einfachen Bewegungselementen (Linie, Kreis, Rechteck), mit Bewegungsqualitäten von langsam bis schnell, mit rhythmischer Wiederholung gleicher Bewegungen werden Gefühle und Emotionen evoziert. Das Stück ist einfach in der Form, aber außergewöhnlich in seiner Wirkung – und darauf kam es Martha Graham in ihren Stücken immer wieder an. Mit seinem Untertitel „Verwüstung – Obdachlosigkeit – Exil“ gewinnt das Stück angesichts der aktuellen Flüchtlingswelle aus Kriegsgebieten nach Europa eine geradezu beängstigende Aktualität. Es sind Begriffe, hinter denen sich menschliche Tragödien verbergen – damals wie heute. Unter der neuen Leitung öffnet sich die Company auch mehr und mehr zeitgenössischen Choreografien. Mit im Programm ist deshalb „Rust“, ein Stück von Nacho Duato, der schon oft Gast in Neuss war.
Der Martha-Graham-Abend am 18. November ist sicherlich das Highlight der diesjährigen Saison der Internationalen Tanzwochen in Neuss. Eröffnet werden sie bereits im Oktober von der französischen Compagnie Hervé Koubi mit dem Stück „Was der Tag der Nacht verdankt“ (25.10.), einem temperamentvollen Tanztheater „in dem die Seele Nordafrikas glüht“ (Programm-Zitat).
Internationale Tanzwochen Neuss | Oktober bis März | www.tanzwochen.de
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