Den „Barbier von Sevilla“ vorzustellen, dürfte kaum nötig sein: Gioachino Rossinis Meisterwerk gehört weltweit zu den meistgespielten Opern und ist seit seiner Uraufführung 1816 nie von den Spielplänen verschwunden. Der Premierenabend hatte es allerdings in sich: Er war ein Fiasko – der Komponist selbst berichtet aus der Rückschau, das Publikum habe sich „wie wilde Tiere auf den bartlosen kleinen Maestro“ (den 23-jährigen Rossini) gestürzt. Die vielen Legenden, die sich um diese denkwürdige Uraufführung in Rom ranken, schmücken die Ereignisse bis zur Unkenntlichkeit aus. Offenbar gab es aber reichlich Gelächter, Pfiffe, Zwischenrufe und Tumult im Publikum. Sogar eine Katze soll während des Finales über die Bühne gelaufen und einem Sänger auf den Arm gesprungen sein, was vom Publikum mit spöttischem „Miau, Miau“ quittiert wurde.
Auch ohne solche Zustände: Bis heute amüsant geblieben ist die Oper um den findigen Barbier, der zwei alte Schwerenöter austrickst und zwei jungen Leuten zum Liebesglück verhilft. Das liegt am Stoff, aber vor allem an der brillanten, der Situationskomik angepassten Musik voller melodischer Einfälle. Für diesen klingenden Teil der Neuinszenierung an der Oper Bonn ist der italienische Dirigent Matteo Beltrami verantwortlich; auf der Bühne agiert ein Ensemble, dem unter anderen die gebürtige Bonnerin Charlotte Quadt als Rosina, der junge armenische Bariton und Operalia-Wettbewerbspreisträger Grisha Martirosyan als Figaro und der Tenor Anton Rositskii als Graf Almaviva angehören.
Hohe Erwartungen weckt der aus Südafrika stammende Regisseur Matthew Wild. Er will – so die Oper Bonn auf ihrer Webseite – Rossinis Komödie zu einer Hymne an Toleranz, Diversität und Liebe machen. Dazu verhelfen sollen auch Choreografien des südafrikanischen Hip-Hop-Stars Rudi Smit. Wild hat seit 2014 an der Cape Town Opera zahlreiche Opern inszeniert und in Deutschland seit seinem Debüt in Wiesbaden 2016 und mit einem viel beachteten „Tannhäuser“ in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht. Seine jüngste Inszenierung, Benjamin Brittens „Peter Grimes“ in Bielefeld, wurde hoch gelobt, nicht zuletzt, weil Wild die Folgen der verdrängten Homosexualität des Fischers und einiger Figuren seines Umfelds in erschütternden Szenen zum Schlüssel der Ereignisse gemacht hat.
Der Barbier von Sevilla | 25. (P), 31.1., 8., 22., 27.2., 8.3., 25.4., 10., 24.5., 6., 16., 17.6. | Oper Bonn | 0228 77 8008
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