Vom Kampf gegen Autokratie zeugt auch die Budapester Freiheitsbrücke
Foto: 4th Life Photography /Adobe Stock

Die Kunstinitiative OFF-Biennale

25. September 2025

Wer hat Angst vor Kunst? – Europa-Vorbild: Ungarn

Die politische Lage in Ungarn wird von einer Kulturpolitik geprägt, die rechte Ideologien fördert und kritische künstlerische Ausdrucksformen unterdrückt. Staatliche Förderungen werden häufig an politische Konformität gekoppelt, unabhängige Kunstinstitutionen geraten zunehmend unter Druck. Gerade deshalb ist das Engagement der OFF-Biennale so bedeutsam: Die Plattform schafft Freiräume für Kunst, die gesellschaftliche Konflikte beleuchtet und Minderheiten, Umweltfragen sowie soziale Gerechtigkeit thematisiert.

Eine Frage der Haltung

Die OFF-Biennale wurde 2015 als basisdemokratische Bewegung gegründet und verfolgt seitdem das Ziel, die Unabhängigkeit und Wirkung der lokalen Kunstszene zu stärken. Als bewusst nicht staatlich geförderte Plattform schützt sie sich vor politischer Einflussnahme und Zensur. Wie es auf der offiziellen Homepage heißt: „OFF hat sich niemals um öffentliche Mittel in Ungarn beworben und die Zusammenarbeit mit staatlichen Kunstinstitutionen vermieden, eine Haltung, die … als unumgänglich erachtet wird, um die freie Meinungsäußerung und professionelle Integrität aufrechtzuerhalten.“ 

Die finanzielle und organisatorische Unabhängigkeit gibt Künstler:innen die Freiheit, kritisch und ungehindert gesellschaftlich relevante Themen zu bearbeiten. Die Biennale versteht sich damit „radikal politisch“ und nimmt Stellung gegen nationalistische und autoritäre Entwicklungen. Beispielsweise hinterfragte die diesjährige Ausgabe unter dem Titel „Poems of Unrest“ künstlerisch, welche Rolle der Begriff „Sicherheit“ in der Öffentlichkeit spielt. Inspiriert von einer Arbeit des Künstlers Robert Gabris setzten sich Roma-, LGBTQ+- und weitere Künstler:innen mit Diskriminierung und gesellschaftlichen Ängsten auseinander.

Finanzielle Probleme

Für die Künstler:innen bedeutet das OFF-Modell vor allem Schutz vor politischer Einflussnahme und die Möglichkeit, politisch kritisch zu agieren. Allerdings bringt der Verzicht auf staatliche Fördermittel auch finanzielle Herausforderungen mit sich. Viele sind auf internationale Förderungen, private Spenden oder Crowdfunding angewiesen, was insbesondere für junge und experimentelle Kunstschaffende eine Hürde darstellen kann. Gleichzeitig fördert die OFF-Biennale die Vernetzung der unabhängigen Kunstszene und mit internationalen Partner:innen als Gegenpol zur staatlichen Kulturpolitik freie Meinungsäußerung und stärkt die Widerstandskraft gegen politische Repressionen. Die OFF-Biennale ist ein Beispiel dafür, wie Kunst trotz widriger Umstände für eine freie Gesellschaft kämpft.

Gleichzeitig spitzt sich auch in den USA die Lage dramatisch zu: Die Regierung Donald Trumps möchte staatliche Museen kontrollieren und auf „spaltende oder parteiische“ Narrative überprüfen. Sie schränkt damit die Freiheit der Kunstinstitutionen massiv ein, was als Teil eines antidemokratischen Kulturkampfs verstanden wird. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán gilt als ein politisches Vorbild Donald Trumps.

Inés Carrasco

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