Das Bochumer Fenster ist der Sitz des IFVH
Foto: Anna Kox

Forschen für den Frieden

30. Januar 2025

Teil 2: Lokale Initiativen – Theorie und Praxis des Völker- und Menschenrechts an der Ruhr-Universität Bochum

Wie kann man Krieg verhindern? Eine Frage, mit der auch die Menschen in Mitteleuropa sich wieder verstärkt beschäftigen. Am Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Vökerrecht (IFVH) geht man ihr bereits seit 1988 nach. Das etwa 60-köpfige Team des Instituts untersucht aus rechts- und sozialwissenschaftlicher Perspektive unterschiedliche Aspekte von Krieg und Frieden.

Risiken weltweit

Welche Herausforderungen bedeutet der Ukraine-Konflikt für das Völkerrecht? Wann sollte man bewaffneten Aufständischen Amnestie gewähren? Welche Rolle spielen Hilfsorganisationen für den sozialen Zusammenhalt in Krisengebieten? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich das Institut unter der Leitung des Rechtswissenschaftlers Pierre Thielbörger, Professor für öffentliches Recht und Völkerrecht. Durch die Mitgliedschaft im NOHA, dem „Network on Humanitarian Assistance“ (etwa: „Netzwerk Humanitäre Hilfe“) ist man mit Kriegs- und Friedensforscher:innen von Japan bis zum Jordan vernetzt. Dazu kommen Kooperationen mit humanitären Organisationen wie dem Roten Kreuz oder der Aktion Deutschland hilft.

Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler:innen erscheinen regelmäßig in den wissenschaftlichen Zeitschriften, die das Institut herausgibt. Seit 2020 gibt Thielbörger auch die älteste wissenschaftlichen Publikation im Bereich der Friedensforschung mit heraus: Die Friedens-Warte, 1899 vom Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried gegründet. Ebenfalls dabei ist das IFVH beim Welt-Risiko-Report. In diesem jährlichen Bericht, 2011 vom Bündnis Entwicklung Hilft e. V. ins Leben gerufen, wird für 193 Länder ermittelt, wie wahrscheinlich Naturkatastrophen sind und wie gut das jeweilige Land auf diverse Szenarien vorbereitet ist. Seit 2018 werden die Berechnungen des Index am IFHV durchgeführt. Im Jahr 2024 landeten die Philippinen auf Platz 1 für das höchste Risiko und Monaco auf Platz 193, Deutschland befand sich auf Platz 98 im Mittelfeld.

Beratung für die Praxis

Für diejenigen, die wenig motiviert sind, sich durch wissenschaftliche Texte zu quälen, aber dennoch interessiert, wie die Forschenden das Zeitgeschehen beurteilen, gibt es außerdem die sogenannten Bochumer Faxe: kurze Veröffentlichungen der Institutsangehörigen, in denen sie sich zu aktuellen Ereignissen wie der Wiederwahl Donald Trumps oder der Einführung von Grenzkontrollen durch die Ampelregierung äußern. Für die Erkenntnisse des IFHV interessieren sich nicht nur Kolleg:innen aus der Wissenschaft oder die politische Öffentlichkeit: Beim laufenden Forschungsprojekt „Leave No One Behind“ („Lass niemanden zurück“) werden beispielsweise Lösungsansätze für das Problem gesucht, dass Menschen mit Behinderungen in Krisensituationen besonders gefährdet sind. Der ständige interinstitutionelle Ausschuss der UN hat aufgrund der Erkenntnisse seine Richtlinien für humanitäre Arbeit angepasst. Eine der Lehren, die in dem Bericht von 2019 festgehalten werden: Wer behinderte Menschen in Katastrophenszenarien schützen will, ist gut beraten, sie schon vorher in den Planungsprozess mit einzubeziehen. Die Forschungsergebnisse wurden in Trainings auch direkt an die Mitarbeitenden von über 150 Hilfsorganisationen vermittelt.

Wer die Praxis der Theorie vorzieht, kann sich am IFHV seit 2023 für den Dienst im Europäischen Solidaritätskorps ausbilden lassen – Ziel ist, bis Ende des Jahres viertausend junge Freiwillige für den Katastrophenschutz außerhalb der EU fit zu machen.

Anna Kox

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