
„Die Lüge über rechte Gewalt“, „Wir müssen etwas verändern“ oder „Keine islamistischen Migranten mehr“ – so lauten die Titel einiger Videos der rechten Youtuberin Naomi Seibt. Die 24-Jährige mit den langen, blonden Haaren kritisiert die Migrationspolitik, Abtreibungen, Feminismus, die angebliche Weinerlichkeit von Homosexuellen und leugnet den menschengemachten Klimawandel. 112.000 Abonnenten hat sie bei Youtube, ihre Zielgruppe: Generation Greta Thunberg.
Im Internet, über soziale Medien und Messengerdienste suchen Rechtsextreme gezielt nach Sympathisanten – und die werden immer jünger. Bei der letzten Bundestagswahl war die AfD bei den 18- bis 24-Jährigen mit 21 Prozent hinter der Linkspartei die zweitstärkste Kraft, bei den Landtagswahlen 2024 in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sogar ganz vorne.
Aufwachsen mit Rechtsextremismus
Auch rechtsextreme Gruppen haben Zulauf bei jungen Menschen: Sie nennen sich Jung und Stark, Der Störtrupp oder Deutsche Jugend Voran. Gleichzeitig gab es 2024 laut BKA-Statistik rund 42.000 rechtsextreme Delikte – 48 Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist offensichtlich: Rechtsextreme Subkultur ist für viele junge Menschen attraktiv. Während in den letzten Jahren Jugendliche eher vom pseudo-intellektuellen Stil der Identitären Bewegung oder dem gescheitelten Burschenschaftsstil der AfD-Jugend beeinflusst wurden, ist auch der Neonazi-Look der 1990er Jahre mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln zurück – zusammen mit auf Schulklos gesprühten Hakenkreuzen.
Warum ist Rechtsextremismus gerade bei jungen Menschen so beliebt? Antisemitismus, Sexismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit gehören im Internet und in sozialen Medien zum Alltag. Dafür müssen Jugendliche nicht einmal gezielt danach suchen: Liken oder betrachten sie solche Beiträge länger, tut der Algorithmus sein Übriges und passt die Vorschläge an. Die heutige Jugend wächst zudem mit der AfD auf – das führt zur Normalisierung rechtsextremer Positionen. Vor allem in Ostdeutschland wird das oft von Eltern befürwortet, die selbst durch den Rechtsruck in den 90er Jahren sozialisiert wurden.
Angst vor dem Niedergang
Rechte Gruppen bieten Orientierung in Krisenzeiten und spielen mit der Unsicherheit und Angst junger Menschen vor dem vermeintlichen Niedergang Deutschlands – durch diejenigen, die sie dafür verantwortlich machen: etwa Geflüchtete, Ausländer oder queere Menschen. Die Inszenierung von „Die Regierung will dir alles verbieten“ hat Erfolg. Vor allem jungen Männern oder sogar Kindern bieten rechtsextreme Gruppen ein Identitätsangebot samt Selbstaufwertung – nur durch ihr Geschlecht und ihr „Deutsch-Sein“.
Es scheint, als hätten viele junge Menschen ihren Glauben an die Demokratie verloren. Hilfreich wäre, wenn Politik jungen Menschen ihre Zukunftsängste nehmen könnte und glaubhafte Antworten auf Klimakrise, teure Wohnungen und andere Sorgen hätte. Und wenn Schulen zum Ort gelebter Demokratie würden, an dem Kinder gesehen werden und gesellschaftliche Teilhabe lernen – durch gut ausgebildete Lehrkräfte, moderne Lehrpläne und Fördermöglichkeiten für Familien, in denen Bildung keine große Rolle spielt oder die sich Förderung sonst nicht leisten könnten. Doch wie realistisch ist das in Zeiten, in denen finanzielle Mittel für Bildung gekürzt werden und es in Schulen an so vielem fehlt? Doch für die Zukunft Deutschlands sollte es uns das wert sein, so viele Ressourcen wie möglich in unsere Jugend zu investieren.
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