John Coltrane 1963
Foto (Ausschnitt): Wikimedia Hugo van Gelderen

Dieser Train war nie zu stoppen

29. August 2026

Die Jazzikone John Coltrane wurde vor 100 Jahren geboren – Improvisierte Musik in NRW 09/26

Niemand im Jazz marschierte so unwiderstehlich wie John Coltrane durch Standards und Eigenkompositionen. Einmal in Fahrt auf dem Saxophon kurvte er auf dem harmonischen Gleis brachial wie ein Eisenross, „Trane“ halt, so sein Nickname. Nach Charlie Parker auf dem Altsaxophon galt der 1926 geborene John Coltrane als nächster großer Erneuerer im Jazz, als diese Musikgattung noch auf Entdeckungsreise war – und der Trane durchrollte sagenhaft unterschiedliche musikalische Landschaften in zwei Jahrzehnten. Mehr kreative Zeit war dem tief religiösen Überflieger nicht vergönnt. Zum 100. Geburtstag widmet sich die WDR Big Band mit drei Konzerten in der Region dem Erbe des Trane: Seine Kunst verträgt die Überdosis eines ganzen Jazzorchesters.

In den sechs Jahrzehnten seit seinem Tod schwebte das Erbe des schwarzen Jazzmusikers omnipräsent durch alle neuen Schulen. Denn Coltrane beendete das formale Denken in harmonischen Wechseln, das er in seiner berühmtesten Komposition „Giant Steps“ durch halbtaktig wechselnde Akkorde bis an die Grenze führte. Der Jazzprofessor Martin Sasse dazu: „Niemand konnte sich damals vorstellen, zehn Minuten lang nur über den Akkord d-Moll zu improvisieren!“ Coltrane führte das mit zahlreichen Kollegen vor. Der gleichaltrige Miles Davis hatte seinen Saxophonisten Coltrane inspiriert, aus der indischen und arabischen Musik eigene Skalen abzuleiten, in eigenen spirituell aufgeladenen Improvisationen bestehende Konventionen zu überschreiten – ein großer Schritt in Richtung Freejazz.

Seine Alkohol- und Heroin-Karriere in jungen Jahren führte trotz radikaler körperlicher und geistiger Reinigung letztlich zum frühen Tod, in seiner berühmtesten Suite „A Love Supreme“ dankt der Saxophonist zwei Jahre zuvor Gott für seine Befreiung von den Drogen.

Jetzt widmen die Jazzmusiker der WDR Big Band und ihr musikalischer Leiter Bob Mintzer als Saxophonsolist und Arrangeur (seit 35 Jahren Mitglied der Fusion-Band Yellowjackets) mehrere Konzerte dem legendären Künstler, der oft und gern mit einem Saxophonkollegen die Bühne teilte. Dafür reist der amerikanische Tenorist Chris Potter an, als wandelbarer und stets neugieriger Musiker ein würdiger Interpret mit traditionellen Werten und Blick in die Zukunft – ein Dreamteam mit Bob Mintzer und seinem exzellenten Jazzorchester.

Festhalle in Viersen | 25.9.2026 | Essen Philharmonie | 26.9.2026 | Kölner Philharmonie | 27.9.2026

Olaf Weiden

biograph | choices | engels und trailer - die online Kinoprogramme für
Bochum, Bonn, Castrop-Rauxel, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frechen, Gelsenkirchen, Hagen, Herne, Hürth, Köln, Leverkusen, Lünen, Mülheim, Neuss, Oberhausen, Recklinghausen, Solingen und Wuppertal