Nirgendwo in NRW kann man besser sehen, wie sich die Kunst seit der Moderne bis zu den heutigen Technologien verändert hat, wie in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Während das Stammhaus am Grabbeplatz derzeit eine Werkschau zu Franz Marc vorbereitet, stellt K21, die Außenstelle zeitgenössischer Kunst, den kanadischen Medienkünstler Jon Rafman vor. Geboren 1981 in Montreal, gehört er noch zu den Generationen, die ohne die tägliche Selbstverständlichkeit der digitalen Medien aufgewachsen sind, aber mit deren Aufkommen eine positive Wirkung verbunden haben. Mit forschender Akribie hat Rafman beobachtet, wie sich vieles zum Negativen wandelte, in den Bildsprachen und deren Hemmungslosigkeit, aber auch im Grad der Überwachung, Manipulation und Verführung. Rafman spiegelt in seinen sehr unterschiedlichen, noch Malerei und Fotografie einbeziehenden, aber überwiegend filmischen Werken, was er auf dem Monitor sieht. Er kombiniert es neu und erfindet Stories oder schreibt diese fort. Dazu gehören Evokationen von MTV-Music-Videos, die narrative Kontinuität von Langfilmen oder knappe Montagen des Mülls aus Avataren und Chimären, die Gewalt und Pornografie verbreiten. Rafman transportiert die dunklen Seiten aus den Tiefen des Internets. Und er vollzieht die technischen Entwicklungen mit; vor zwei Jahrzehnten hat er mit Second Life und Google Street begonnen.
In K21 trägt die dichte Präsentation im Untergeschoss zur Atmosphäre bei, quasi als „Gesamtkunstwerk“ (im Sinne von Schwitters, wie Rafman sagt), das eine Dystopie in labyrinthischen Kellern suggeriert. Die Raumsegmente sind verdunkelt, die Tapeten zeigen Steckdosen mit einem endlos verzweigenden Netz an Kabeln. Wir können uns in einzelne Kabinen zurückziehen, schauen auf merkwürdigen Sitzen einen langen Film – „Dream Journal“ –, der von Rafman fortgeschrieben wird. An anderer Stelle legen wir uns auf eine Matratze, um dort ein abstrakt filmisches Video über eine Suche nach Leonard Cohen anzuschauen. Zum Glück: Es gibt sie doch noch, die poetischen, ja, romantischen Momente in unserem Leben im Internet.
Jon Rafman. Main Stream Media | bis 27.9. | K21 Kunstsammlung NRW in Düsseldorf | 0211 838 12 04
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