„Merkt ihr mir nichts an?“, erscholl es. Plötzlich verbeugte er sich sehr tief und sagte: „Professor Reger erlaubt sich, sich vorzustellen!“ So schildert EIsa Reger die Ernennung ihres Gatten zum königlich sächsischen Professor an der Universität Leipzig im November 1907. Im Februar war Max Reger nach Leipzig berufen worden: als Universitätsmusikdirektor und Leiter des Männerchores zu St. Pauli mit einem festen Lehrauftrag als Leiter einer eigens für ihn geschaffenen Meisterschulklasse. Regers Ruf als Komponist zog Schüler aus dem In- und Ausland an; auch als Hofkapellmeister in Meinigen führte Reger sein Lehramt bis zu seinem Tode weiter. Sein Todestag jährt sich im Mai zum 100. Mal.
Bereits 1910 findet ein erstes Regerfest in Dortmund statt. Denn er ist neben Richard Strauss der führende Komponist Deutschlands. Und Reger plant auch die Zukunft: „Folgende Mitteilung bitte ich einstweilen á discretion: ich schreibe ein Klavierkonzert. Das Interesse für das Werk ist kolossal.“
Wochen später schwärmt er weiter: „Die Solostimme klingt riesig und liegt dabei sehr gut in der Hand ... die Technik meines Klavierkonzerts benützt vor allem alle Errungenschaften Liszt‘s.“ Und selbst der exzessive Arbeiter Reger stellt fest: „So eine Partitur macht eine Riesenmühe!“ Deshalb genehmigte Reger sich eine Auszeit im bayrischen Wald an einem See, in dem er selbst täglich „mindestens eine Stunde ohne jegliche Pause schwimme – ich kann nämlich Schwimmen besser als Kontrapunktieren“. Und Reger besitzt einen eigenen Ritus bei der Körperertüchtigung: „Ich rauche meine Zigarre beim Schwimmen, weil das Wasser für mich seit frühester Jugend ebenso selbstverständlich ist als die Luft, in der ich mich bewege. Ich bin hier so schlank geworden durch das Schwimmen, dass ich bald keinen Schatten mehr werfe.“ Leider wirft auch das hinterlassene Werk für den Konzertsaal heute nur noch selten Schatten. Umso erfreulicher, wenn jetzt zum Gedenktag in Essen besagtes Klavierkonzert erklingt, das ein wirklich sehr imposanter Koloss geworden ist, den zum Regerfest 1926 in Essen Rudolf Serkin mit den dortigen Philharmonikern interpretierte. Jetzt spielt der Kempff-Schüler Gerhard Oppitz, der selbst auch eine Referenzaufnahme dieses Konzerts eingespielt hat.
Karl-Heinz Steffens dirigiert sein Orchester zudem im meistgespielten Reger-Hit im Konzertsaal, den Mozart-Variationen. Reger, ein Klangvisionär wie Wagner und gleichzeitig ein Jünger Johann Sebastian Bachs, besitzt die meisten Fans in der Welt unter den Orgelfreunden. Auf den Orgeltasten regierten Fantasie und Fuge, viele Kirchenkonzerte 2016 erinnern an den Meister, der selbst als Erneuerer der protestantischen Kirchenmusik gilt. Aber er besaß auch den schelmisch weltlichen Blick auf die Gesellschaft. Z.B. empfahl er damals zum wahren Genuss des Klavierkonzertes den Besuch der Hauptprobe: „Nämlich in der Hauptprobe sitzen die musikalischen Leute, während das offizielle Concert mehr Kleiderparade mit Musikbegleitung und oft wenig Bekleidung ist. Um Gotteswillen behalten Sie meine lästerlichen Witze für sich.“ Machen wir nicht.
Gerhard Oppitz (Klavier) und die Essener Philharmoniker spielen Max Reger: Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart, op. 132 und Klavierkonzert f-Moll, op. 114 | 28.4. | Philharmonie Essen | www.philharmonie-essen.de
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