Benjamin Moussay (rechts) und Louis Sclavis
Foto(Ausschnitt): multiphonicsfestival

Grenzenlose Klangkultur

30. September 2026

Das Festival Multiphonics in Köln – Improvisierte Musik in NRW 10/26

„Seelenfreunde“ sind die konstanten Spieler und ihre Gäste beim traditionellen Festival der Holzbläser „Multiphonics“. Und einer der Gäste hat diese Qualität spiritueller Zuneigung für das aktuelle Fest in eine Komposition mit dem gleichbedeutenden Titel „Anam Cara“ gegossen, mit den vereinten Kräften des „Beyond the Roots Large Ensemble“ unter Führung des Gründungsmitglieds Antonis Anissegos. Die Musik des Ensembles schwirrt in ihren komplexen Großwerken gern über gemeinsame Riffs und festgelegte Strukturen einer festen Partitur zu flächigen rhythmusbetonten Grooves, wo die esoterisch dichten Arrangements sich auflichten zu ganz ursprünglichen Tänzchen. Bei denen ließen die virtuosen Musikanten ihre Fußspitzen marschieren und nickten lässig mit den Köpfen – ganz entspannt von Kunst befreit auf den Wurzeln der Musik, Weltmusik, diesmal basierend auf keltischer Poesie eines irischen Philosophen.

Auch im aktuellen Konzept des Festivals besticht die Vielzahl der Instrumentenfarben und der Besetzungen. Bunt gemischt wie die rund drei Dutzend Musikanten sind die stilistischen Wege: Nach Weltmusik widmet sich das Klarinetten-Festspiel dem Jazz. Im Duett des Pianisten Benjamin Moussay regiert die Bassklarinette des Bläserstars Louis Sclavis, ein französisches Starduo der Sonderklasse. Sie stellen das Programm ihrer letzten Duo-Aufnahme vor, ein konzentriertes Ergebnis ihrer Zusammenarbeit über 20 Jahre hinweg.

Es folgt der „Gnawa World Blues“ mit Majid Bekkas, Nguyên Lê und Hamid Drake, letztere Garanten auch für jazzige Einflüsse. Und auf klassischen Motiven basiert die Idee der künstlerischen Führungskraft Annette Maye, natürlich an den Klarinetten, wenn sie Mozart persönlich an den Bosporus entführt, um ihm realistische Einblicke in den Serail zu gewähren: Empirische Feldforschung in der höfischen Musik osmanischer Tradition, immer im Austausch mit Themen aus Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“, interpretiert von einem deutsch-türkischen Trio mit Cello und Rahmentrommel.

Alte Feuerwache und Altes Pfandhaus, die gewählten Spielstätten in Köln, sind offene und originelle Häuser für das Besondere und Interdisziplinäre. Neugier steht den Gästen dieses Festivals stets gut, denn hier erlebt das Konzertpublikum – anders als im Pop oder Rock – nie das Bekannte: Kunst auf der Suche nach dem grenzenlos Neuen.

Multiphonics | 21. bis 25.10. | Alte Feuerwache und Altes Pfandhaus | multiphonics-festival.com

Olaf Weiden

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