Viele Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz beim Thema Lebensmittel
Foto: Mira Moroz

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29. August 2013

Sophie Herr über Vertrauen und Lebensmittel – Thema 09/13 Welche Wahl

Frau Herr, schaffen die aktuellen Gesetze bei Lebensmitteln Klarheit für die Verbraucher?
Sophie Herr:
Lediglich 40 Prozent der Verbraucher finden die Angaben auf Lebensmittelverpackungen verständlich. Das zeigt eine begleitende Untersuchung zum Projekt Lebensmittelklarheit. Neben dem Verständnis- gibt es ein Vertrauensproblem am Lebensmittelmarkt, das dringend gelöst werden muss. Denn selbst wenn Name, Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln den geltenden Gesetzen entsprechen, wecken sie bei Verbrauchern Erwartungen, die das Produkt oft nicht erfüllt.

Welche wichtigen verbraucherpolitischen Fragen erwarten Sie in der nächsten Legislatur?

Sophie Herr

Foto: privat

Sophie Herr ist Expertin für Lebensmittelvermarktung und Ernährungsverhalten beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)

Wir erwarten von der Politik eine Reaktion auf die verstärkte Nachfrage nach regionalen Produkten und Produkten aus tiergerechter Haltung: Wir fordern einheitliche und gesetzlich verbindliche Labels, die Transparenz beim Einkauf ermöglichen und so Vertrauen schaffen. Auch eine leicht verständliche Nährwertkennzeichnung wie die Nährwertampel muss weiter vorangetrieben werden. Darüber hinaus sollten Verbraucher wissen, wie es um die Hygiene bei der Lebensmittelherstellung oder in der Gastronomie bestellt ist. Transparenzsysteme wie das Hygienebarometer oder der Gastro-Smiley sind wichtig.

Wie steht es z. B. um die Kennzeichnungspflicht für Fleisch und Fleischerzeugnisse?
Derzeit muss lediglich bei Rindfleisch das Land der Geburt, Mast, Schlachtung und Zerlegung angegeben sein, eine Konsequenz der BSE-Krise. Sobald das Fleisch bearbeitet ist, und da genügt, dass es gesalzen wird, entfällt diese Pflicht. Ab Ende 2014 wird die Herkunftskennzeichnung auch bei Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel verpflichtend. Bei verarbeiteten Produkten, die Fleisch als Zutat enthalten, wie Lasagne oder Fleischsalat, muss die Herkunft dagegen nicht gekennzeichnet werden.

Warum hat die Politik hier bisher nicht für Klarheit gesorgt?
Die Debatte um die Herkunftskennzeichnung von Fleisch als Zutat hat im Zuge des Pferdefleischskandals an Fahrt aufgenommen. Obwohl eine solche Kennzeichnung den Betrug, Rindfleisch durch Pferdefleisch zu ersetzen, nicht hätte verhindern können, ist sie wichtig. Denn Fleisch ist ein besonders sensibles Produkt und Verbraucher möchten wissen, woher die Produkte kommen. Ein Bericht der Europäischen Kommission hierzu wird im Herbst dieses Jahres erwartet.

Welche Chancen sehen Sie für Reformen in den nächsten Jahren?
Die Lebensmittelinformationsverordnung, die auf europäischer Ebene die Kennzeichnung von Lebensmitteln einheitlich für alle Mitgliedsstaaten regelt, ist an vielen Stellen ein guter Ausgangspunkt. Ihre Inhalte werden in den kommenden Jahren auf nationaler Ebene umgesetzt. Gleichzeitig sollten verschiedene Bereiche konkretisiert und nachgebessert werden. Allerdings erhoffe ich mir auch von Seiten der Lebensmittelwirtschaft eine wachsende Dialogbereitschaft, wenn es darum geht, gemeinsam eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung von Lebensmitteln voranzutreiben.

Interview: Wolfgang Hippe

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