
Kaufsucht, auch Oniomanie genannt, ist eine ernst zu nehmende psychische Störung, bei der Betroffene exzessiv und unkontrolliert einkaufen. Es ist ein Teufelskreis aus impulsivem Kaufen, finanziellen Problemen und emotionaler Belastung. Was sind die Ursachen dieser Sucht, welche Folgen hat sie, und wie kann man ihr entgegenwirken?
Der psychologische Psychotherapeut Jannes Hecht beschreibt drei wesentliche Kriterien, die charakteristisch für dieses Suchtverhalten sind. Dabei geht es zum einen um die hohe Priorität, die das Kaufen im Alltag einnimmt. „Die ständige Verfügbarkeit des Online-Shoppings ermöglicht es dem Betroffenen, seiner Sucht 24 Stunden am Tag nachzugehen“, so Hecht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Kontrollverlust der Personen. Betroffene würden sich immer wieder vornehmen, es nicht mehr zu tun und kaufen dann doch wieder ein. Es handele sich dabei oft um unsinnige Käufe, von denen sie keinen Nutzen haben. Letztendlich käme es zu einer Fortsetzung des Verhaltens, trotz negativer Konsequenzen wie Armut oder sogar Betrug. „Eine verminderte Schuldfähigkeit ist hier nicht gegeben“, so Hecht, es könne jedoch richterlich in Erwägung gezogen werden, ob sich Therapieauflagen strafmildernd auswirken könnten.
Das Internet ändert alles
„Den Begriff der Kaufsucht gibt es schon lange“, erklärt Hecht, jedoch sei die Störung lange den Impulskontrollstörungen zugeordnet worden. „Durch die Möglichkeiten des digitalen Einkaufs, handelt es sich mittlerweile aber überwiegend um eine digitale Sucht.“ Darum zählt man sie heute zu den internetbezogenen Problematiken einer Verhaltenssucht, zu denen auch Nutzungsstörungen im Bereich Online-Computerspiele, Glücksspiele, Pornografie oder Social Media gehören.
Suchtverhalten entsteht durch Erwartung einer Belohnung, die durch das dopamingesteuerte Belohnungssystem im Gehirn ausgelöst wird. „Das Prinzip kennt jeder: Ein Kauf erzeugt ein kurzfristiges Glücksgefühl“, erklärt Hecht. Doch bei Kaufsüchtigen wird dieses Verhalten zwanghaft wiederholt. In den letzten Jahren sei die Zahl der Menschen mit internetbezogenen Störungen gestiegen, und auch die Fälle von Kaufsucht nehmen zu. Laut Hecht suchen pro Jahr etwa fünf bis zehn Betroffene eine Beratung bei der Caritas in Wuppertal – Tendenz steigend.
Mehr Fälle
Um den Betroffenen zu helfen, bieten Suchthilfe-Einrichtungen verschiedene Therapieansätze an. In Einzelgesprächen wird das Problem analysiert, um erste Lösungsansätze zu erarbeiten. Beratungsgruppen ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen, wobei es sich häufig um gemischte Gruppen handelt, in denen verschiedene internetbezogene Suchtformen behandelt werden. Homogene Kaufsuchtgruppen gäbe es kaum. In schweren Fällen kann eine Vermittlung an Fachkliniken erfolgen, die auf Verhaltenssüchte spezialisiert sind. „Wir wissen, dass Frauen tendenziell häufiger betroffen sind, ansonsten lassen sich kaum spezifische Risikofaktoren nennen“, so Hecht.
Da vollständige Kaufabstinenz schwer umsetzbar ist, setzt die Verhaltenstherapie auf alternative Belohnungssysteme. Ziele sind unter anderem die schrittweise Reduktion des Kaufverhaltens durch Maßnahmen wie Zeitbegrenzungen oder das bewusste Einschränken von Online-Kaufmöglichkeiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Überwindung von Scham, so Hecht, denn viele Betroffene verheimlichen ihr Problem und trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Bei der Suchthilfe der Caritas in Wuppertal können Suchtgefährdete sowie deren Angehörige einen Beratungstermin vereinbaren oder die offene Sprechstunde nutzen.
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