Das Team der Wuppertaler Beratungsstelle: Karin Horn (v.), Alina Johannsen (m.l), Nadia Ochs (m.r.), hinten v.l.n.r: Susanne Droste, Daniel Scholten, Silvia Pollick und Sabine Dohr
Foto: Pro Familia Wuppertal

Weil es oft anders kommt

19. Dezember 2025

Teil 3: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung

Im Leben gilt es, unzählige Entscheidungen zu treffen. Für die meisten zählt die Familienplanung zu den größten davon, denn die beeinflusst maßgeblich das ganze weitere Leben. Doch das Leben hält sich selten an Pläne – oft kommt es anders und manchmal zu früh. Dann reicht eine vage Vorstellung vom Nachwuchs nicht mehr. Dann braucht es eine konkrete Entscheidung: Schwangerschaft austragen oder nicht? In solchen schwierigen Situationen stehen die Beratungsstellen von Pro Familia bundesweit in mehr als 180 Beratungsstellen allen Menschen zur Seite – in Wuppertal breit aufgestellt mit einem neunköpfigen Team aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Ja oder Nein

Verlieren Sie sich im Dschungel der Gesetze zum Elterngeld? Dafür bietet die Beratungsstelle in der Hofaue 21 eine Sozialberatung an. Ihre Eltern akzeptieren Sie nicht, weil Sie nicht ihren heteronormativen Vorstellungen entsprechen? In Ihrer Partnerschaft liegt etwas im Argen? Auch hierfür können Sie sich an das pädagogische, therapeutische und beratende Team wenden. Sie möchten eine Schwangerschaft nicht fortsetzen? Dann sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, vor dem Schwangerschaftsabbruch ein Beratungsgespräch zu führen. Pro Familia in Wuppertal ist hierfür eine anerkannte Beratungsstelle.

Was wäre, wenn …

„Es ist uns wichtig, den Frauen, die zu uns kommen, so viel Information und Unterstützung zu bieten wie möglich, und zwar nicht von oben herab“, sagt Karin Horn, Diplom-Psychologin und Leiterin der Beratungsstelle. „In diesen Gesprächen sagen wir den Frauen nicht, was wir für das Beste halten, sondern wirerarbeiten gemeinsam, was gut für sie ist.“ Im Allgemeinen vertritt Pro Familia eine liberale Haltung zur „reproduktiven Selbstbestimmung“. Karin Horn sieht diese Haltung als Stärke: Man könne „gemeinsam mit der Frau überlegen, wie die Lebenssituation aussähe“, mit oder ohne Kind, mit oder ohne Partner/in, für dieFrau, für das Kind. Die Schwangerschaftskonfliktberatung macht rund 50 Prozent der Nachfrage aus, genutzt vor allem von Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

Haltlose Vorurteile

Weshalb sich Frauen dafür entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen, ist ganz unterschiedlich. Den aktuellen gesellschaftlichen Pessimismus – zur weltpolitischen Situation, zum Klimawandel, zur Wirtschaft – sieht Horn in ihrer Berufspraxis nicht bestätigt. Die finanzielle Situation der Frauen sei schon immer „mit ein Thema“ bei dieser Entscheidung gewesen, sagt sie. Entkräften kann sie entschieden zwei Vorurteile: das der „zügellosen Jugend“ und der „leichtsinnigen Bürgergeldempfänger“. Diese Gruppen stellten keineswegs überproportional große Gruppen bei Schwangerschaftskonflikten dar.

Wer bin ich?

Entscheidungen über Schwangerschaft und Elternschaft gehören zu den schwierigsten. Wie man seine geschlechtliche Identität auslebt, ist für viele nicht minder leicht. Vor etwas mehr als einem Jahr trat das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft, das es Menschen erleichtert, ihre geschlechtliche Identität behördlich zu ändern. Anders als es der Name des Gesetzes suggeriert, ist die Eintragung im Pass aber nicht alles. „Selbstbestimmung ist mehr als Gesetz“, sagt Karin Horn, „wie reagiert die Familie darauf? Was sagen Freunde dazu? Wie geht man mit Diskriminierung um?“.

Spannungen ertragen

Eine Entscheidung zu treffen bedeutet immer, Möglichkeiten auszuschließen. Manchmal geht das mit ambivalenten Emotionen und inneren und äußeren Konflikten einher, sagt die Psychologin und Therapeutin. „Hier kann Beratung helfen, die Spannung auszuhalten und einen individuell ‚richtigen‘ Weg zu finden.“

Marek Firlej

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