
„Quiet Quitting“ steht für den Dienst nach Vorschrift. Das heißt, keine Überstunden mehr, dafür mehr Freizeit und private Belange. Das ist einer der neuen Trends, die das Arbeitsleben der jungen Generation beschreiben könnten. Dabei ist zunächst das riesige Job-Angebot zu überblicken und eine Entscheidung zu treffen. Johannes Wilbert vom Institut zur Berufswahl unterstützt zahlreiche Suchende auf diesem Weg.
Nach 19 Jahren Berufstätigkeit in einem Unternehmen nahm Johannes Wilbert an einem Projekt für arbeitslose und arbeitssuchende Studierende teil. Ziel war, durch gegenseitige Unterstützung einen passenden Job zu finden. Die Arbeit in diesem Projekt erfüllte ihn so sehr, dass er fand: „Eigenverantwortlich und autonom zu arbeiten, anderen zu helfen und eine Tätigkeit mit Sinn, stellten sich für mich als entscheidend heraus.“
Mehr Beratungsbedarf
Er begann mit Coachings an Schulen unter anderem in Wuppertal und Einzelberatungen bei der Agentur für Arbeit – als einer der damals ganz wenigen auf diesem Gebiet. Heute führt sein Institut Standorte in mehreren Städten, darunter Wuppertal. Online-Coachings seien allerdings mittlerweile Standard, so Wilbert. Der Beratungsbedarf sei gewachsen: „Menschen fangen an, sich zu fragen, was sie selbst verändern wollen. Die Fokussierung auf die veränderten Bedürfnisse ist wesentlich größer geworden, man kann sich vor Studienangeboten und neuen Jobs kaum mehr retten. Es wird sich weniger über den Job definiert. Das Ego ist mehr in den Vordergrund gerückt. Diese Komponenten erschweren die Jobsuche heutzutage“, beschreibt er. Für ihn sei zunächst die Frage „Wer bin ich und wo stehe ich?“ entscheidend. Sie werde mittlerweile durch die permanente Ablenkung durch soziale Medien sehr erschwert.
Dabei sei jene Frage entscheidend, um überhaupt die richtige Wahl für sich zu treffen, so Wilbert. Dafür gehe er in seinen Beratungen mit seinen Klienten zunächst drei konkreteren Fragen nach, nämlich nach der Motivation, dem Charakter und den Kompetenzen.
Motivation, Charakter, Kompetenz
Laut Wilbert ergebe sich folgende Konsequenz: „Es bedarf einer enormen Verantwortung, sorgsam mit diversen Medien umzugehen, die Dinge kritisch und mit Abstand zu betrachten und zu selektieren.“ Das komplexe Angebot, das freilich durch die sozialen Medien maßgeblich beeinflusst und zugenommen habe, sehe er für die Gesellschaft als „Fluch und Segen“ zugleich. Scheinbar könne nun jeder alles werden: „Jeder kann zum Journalisten werden, in dem er Kommentare im Internet schreibt“, bemerkt er.
Wilbert sieht darin eine Gefahr: „Die Menschen beginnen sich zu verlieren und zu verzetteln, da so viel Zeit vor den Handys verbracht wird. Meinungen werden einfach übernommen und vervielfacht. Man kann alles machen, aber das Fatale dabei ist, dass man keine tiefergehenden Kompetenzen mehr erlernt oder sich mit Themen in der Tiefe auseinandersetzt. Dadurch wird man beliebig und austauschbar“. Sein Appell: Abgrenzen, Selbstreflexion und Identifikation eigener Interessen sind der Schlüssel, um zu wissen, was man will und Energie in langfristig erfüllende Aktivitäten zu investieren.
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