Friedlich und wehrhaft
Bild: Rob Z/Adobe Stock

Widerstand ohne Waffen

30. Oktober 2025

Teil 2: Lokale Initiativen – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und ihr Landesverband NRW

Wer Frieden fordert, erntet oft Skepsis. Naiv und weltfremd nennt man Pazifist:innen gerne. Rufe nach Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit gelten mittlerweile wieder als selbstverständlich, hingegen gilt das Bekenntnis zur Gewaltfreiheit manchen sogar als gefährlich. Vor Initiativen wie der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen (DFG-VK) liegt ein gewaltiger Berg Arbeit, wenn Militarisierung den politischen Dialog prägt, die Mehrheit der Deutschen eine Rückkehr zur Wehrpflicht befürwortet und der Anblick von Soldat:innen an Schulen sowie in Bussen und Bahnen zunehmend alltäglich wird.

Frühe Anfänge

Es ist bei weitem nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Pazifist:innen in Deutschland gegen den Strom schwimmen müssen. 1892 gegründet, machte die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) mit Beginn des Ersten Weltkriegs frühe Erfahrungen mit politischer Verfolgung. Viele Mitglieder lösten sich von ihren pazifistischen Überzeugungen, andere flohen ins Exil. Zur Weimarer Zeit wuchs die Organisation auf über 30.000 Mitglieder, bevor sie nach Hitlers Machtübernahme verboten wurde. 1974 verbanden sich die DFG und der 1958 gegründete Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) zur DFG-VK. Der nordrheinwestfälische Landesverband ist in Dortmund ansässig.

Neue Methoden

Wenn es um Gegenrede in Zeiten des Militarismus geht, können die Mitglieder also auf einer langen Tradition aufbauen, setzen aber gleichzeitig auf Methodenvielfalt bei der praktischen Umsetzung ihrer Überzeugungen: Neben Klassikern wie den Ostermärschen organisierte der Landesverband im August eine Friedens-Fahrradtour, um eine Woche lang an verschiedenen Militärstandorten zwischen Köln und Cochem zu protestieren. Beratung und Unterstützung für Kriegsdienstverweiger:innen werden ebenfalls angeboten. Auf der Webseite verweigern.info bekommen Menschen, die über eine Verweigerung nachdenken, anhand eines kurzen Fragebogens eine Einschätzung, ob das derzeit eine sinnvolle Entscheidung für sie ist.

Eine Idee aus den 70ern

In der Debatte, ob Aufrüstung die einzig angemessene Reaktion auf Aggressionen Russlands sein kann, zieht die DFG-VK auch ein Konzept der Friedensbewegung aus den 70er Jahren heran: Soziale Verteidigung. Die Idee in einem Satz: Wehrhaftigkeit geht auch unbewaffnet. Was zunächst paradox klingen mag, begründen Anhänger:innen der Sozialen Verteidigung – kurz gesagt – mit der Überzeugung, dass eine Besatzungsmacht wenig ausrichten kann, wenn die Bevölkerung des eingenommenen Territoriums zwar dialogbereit bleibt, sich aber beharrlich weigert, den Befehlen der Besatzungsmacht Folge zu leisten, Kooperation verweigert und so gleichsam den Preis für die Besatzung so weit in die Höhe treibt, dass sie sich nicht lohnt.

Friedenslogik und Soziale Verteidigung

In Dortmund wurde das Konzept im Frühling 2024 ergebnisoffen diskutiert. Ganz warm geworden ist man damals nicht damit. Ein dazu veröffentlichtes Papier betont ein Vorgehen im Sinne einer „Friedenslogik“, die den Gegner immer auch als Partner verstehe, mit dem ein Interessenausgleich zu suchen sei – während Soziale Verteidigung den Gegner grundsätzlich als Feind verstehe, dessen Erfolg zu verhindern sei. Das Papier fasst aber auch zusammen, dass sowohl Friedenslogik als auch Soziale Verteidigung der „angeblichen Alternativlosigkeit“ militärischen Denkens entgegenstehen.

Anna Kox

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