
„Soll ich es jetzt erklären oder nicht?“ fragte Theodor Scharr. Der Aktivist der Letzten Generation saß im Juli in der Sendung „Markus Lanz“ und wurde beständig vom Moderator und von anderen Gästen unterbrochen.Der Dialog war vorbei, ehe er begonnen hatte. Die Idee eines Klima-Bürgerrats, von der Letzten Generation in die Debatte gebracht, zielt darauf ab, den gesellschaftlichen Dialog zu fördern – genau das wird hier vor laufender Kamera verwehrt. Das ist leider keine Ausnahme.
Ratlose Zuschauer
Selbstverständlich sind die Protestformen der Letzten Generation zu hinterfragen, etwa ob Verkehrsblockaden tatsächlich einen friedlichen Dialog fördern. Auch über ihre Forderungen – u.a. nach Tempolimit, 9-Euro-Ticket oder eben Bürgerrat – darf gestritten werden. Als gewiss darf aber auch gelten: Würden Proteste kein Aufsehen erregen, wäre der Sache des Umweltschutzes auch nicht mehr geholfen, und hätte die Gruppe keinerlei Vorschläge oder Forderungen, würde ihr dies ebenso zum Vorwurf gemacht werden. So bleibt man als Zuschauer ratlos zurück, vielleicht wütend. Dabei müssten die Medien es doch vorleben: sachlich berichten und gut begründet Meinungen vertreten, zuhören und ausreden lassen – statt stets Spaltung zu diagnostizieren und zu ihr beizutragen. Sind wir denn wirklich so gespalten? Oder wird der Konflikt auch herbeigeschrieben und -geredet, mit jeder dialogfeindlichen Talkshow, mit jedem weiteren Artikel, der eine schlechte Arbeitsmoral der Generation Z oder eine Rücksichtlosigkeit der Baby Boomer behauptet?
Konstante Zustimmung
Dabei liegt die Gesellschaft in Fragen des Klimaschutzes gar nicht so weit auseinander, wie man meinen könnte, wenn man in eine jener Talkshows schaltet oder Politikern zuhört, die in Dauerschleife warnen, man dürfe die Menschen nicht überfordern. Sind wir als Gesellschaft überfordert mit Wandel? Nein! Darauf deutet zumindest das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hin, das im Juli veröffentlicht wurde. Die Studie erfragt bei 6.500 repräsentativen Personen ihre Einstellungen zur Energie- und Verkehrswende. Und die sind durchaus positiv: Rund drei Viertel der Bevölkerung stimmen den Maßnahmen demnach grundsätzlich zu. Der Wert ist seit Jahren konstant.
Mehr sozialen Ausgleich
Aufschlussreich ist es zudem, wenn Befragte die Zustimmungsrate in der Bevölkerung schätzen sollen. Die Zustimmung für den Ausbau von Windkraft vor Ort liegt bei etwa 60 Prozent, während die Befragten bei ihren Mitmenschen eine Zustimmung von nur einem Drittel vermuten. Bei Solarstrom im Wohnumfeld ist es ähnlich: Geschätzt wird die Befürwortung auf knapp 50 Prozent, tatsächlich liegt sie bei 73. Bei der Bereitschaft Energie einzusparen sind es 52 zu 77 Prozent. Kurzum: Die Zustimmung für gesellschaftlichen Wandel ist viel höher, als wir selbst glauben. Die Spaltung viel geringer, als wir meinen. Das betrifft sowohl die Befürwortung als auch die Bereitschaft der Menschen: Lediglich ein Prozent der Bevölkerung unternimmt nichts, um Energie zu sparen. Auf die Frage, was sie am politischen Vorgehen störe, kritisieren die Befragten die Langsamkeit der Politik, fehlenden sozialen Ausgleich für Menschen mit geringem Einkommen sowie fehlenden politischen Handlungswillen. Das sind doch Ansatzpunkte! Die gesellschaftliche Akzeptanz ist nicht das Problem. Stattdessen braucht es politischen Mut zu Veränderungen und ein Zusammendenken der ökologischen und der sozialen Herausforderungen.
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